Geschichte

1912 – 1972

6. November 1912:Das Haus am „äußersten Ende der Paulinenstraße“ wird als „Kinderschule in der Industrievorstadt“ eröffnet. Im Erdgeschoss befindet sich der eigentliche Kindergarten, darüber zwei Wohnungen, eine davon für die zuständige „Schwester“.

Bei der Einweihung werden auf dem Vor- bzw. Spielplatz Kastanienbäume gepflanzt!

Kindergartenalltag im Jahr 1920:Zwei Kindergärtnerinnen betreuen rund 70 Kinder, und das sechs Tage in der Woche!

Bis 1936 gehört das Haus dem Ausschuss bzw. Komitee der Kleinkindschule. Und ist ein Kindergarten. Für die Jahre zwischen 1936 und 1950 haben wir bisher keine Information gefunden…

Ab 1950 gehört das Haus der evangelischen Kirchenpflege und war bis 1969 ein evangelischer Kindergarten.

1971 ist das Haus im Besitz der Stadt Tübingen.

Ab 1971 wurden die oberen Räume des Hauses für eine auf sozialtherapeutische Einzelfallhilfe ausgerichtete Jugendarbeit genutzt.

Ab 1972

Der Anfang der offenen Jugendarbeit liegt im Jahr 1972, als im Keller des Hauses unregelmäßig Discos in Selbstverwaltung der Jugendlichen stattfanden, die gut besucht waren.
Als das Engagement der verantwortlichen Gruppe zurückging, übernahmen zwei Studenten die Organisation des Discobetriebes und stellten eine Verbindung zur Jugendarbeit in den oberen Räumen her.
Zum 1.10.1973 teilten sich vier Hauptamtliche (drei 50 % Stellen, eine Praktikantin) und zwölf StudentInnen die sechs bezahlten Stellen. Ende 1973 wurde zusätzlich eine Teestube im Haus eröffnet. Ärger mit den Nachbarn aufgrund der Lage im Wohngebiet führte 1977 zur Kürzung der Öffnungszeiten auf 21.45 Uhr.
Aufgrund zunehmender Zerstörungen begann Anfang 1978 eine Renovierungsphase, die dem Jugendhaus neuen Aufschwung geben sollte. Tragischerweise brannte im April 1978 das gesamte obere Stockwerk aus.
Zwei Jahre lang mußten sich die MitarbeiterInnen mit Notbehelfen arrangieren, wodurch Gruppenarbeit und sonstige Aktivitäten stark beeinträchtig wurden.

Auch nach der Neueröffnung des Jugendhauses 1980 gab es noch viel Unruhe unter den Jugendlichen und der Alltag im Haus wurde durch Gewalttätigkeiten geprägt. Erst mit der massiven Durchsetzung von Hausverboten gegen einzelne Jugendliche kehrte Ende 1982 Ruhe ein.
Das MitarbeiterInnen-Team hatte sich im Laufe der Jahre mehrmals verändert und die inzwischen sechs Planstellen wurden zuerst auf 4,5 und bei weiteren Kürzungen auf 2,6 reduziert.
Einschneidende positive Veränderungen brachte die Grundrenovierung und räumliche Umstrukturierung des Jugendhauses in den Jahren 1991/92. Der zentrale Caféraum im Erdgeschoß mit Billiard und Tischkickern bot für viele Jugendliche ausreichend Raum.
Bestimmt durch die Tatsache, dass Mädchen, jüngere Jugendliche und Kinder im Rahmen des Offenen Betriebes keinen Platz hatten, wurde der Blick auch auf diese Zielgruppen gerichtet und es erschlossen sich neue Arbeitsbereiche.
Es zeigte sich bald, daß es sinnvoll war, neben den „gemischten“ Nachmittagen auch nach Geschlechtern getrennte Gruppenangebote zu machen.
Für die weiblichen JugendhausbesucherInnen wurde ein „Mädchentag“ eingerichtet, der es den Mädchen erleichtert, einen Zugang ins Jugendhaus zu finden. Insbesondere muslimischen Mädchen, die keine gemischtgeschlechtlichen Veranstaltungen besuchen dürfen, ermöglicht dies, ins Haus zu kommen.

Für jüngere Jungs bis 14 Jahre entstand der Jungennachmittag.

1997 wurden die konzeptionellen Entwicklungen und Veränderungen in der Konzeption des Jugendhauses Pauline festgehalten und dokumentiert.
Seit 1997 wurde der Jugendraum „Mixed up“ im Französischen Viertel zusätzlich vom Team des Jugendhauses Pauline betreut. Mittlerweile sind dort weitere MitarbeiterInnen hinzugekommen (insgesamt eine 75% Stelle) und das gemeinsame „Südstadtteam“ ist für beide Einrichtungen zuständig.

Das Jugendhaus Pauline – kurz „Paula“ genannt – ist eine Einrichtung für offene Jugendarbeit der Universitätsstadt Tübingen.