Jahresberichte

Jahresbericht Jugendhaus Pauline 2006 – 2008

Einleitung

In der Südstadt (ohne Derendingen, vgl. S. Schmid: Bestandaufnahme und Analyse der Stadtteilstrukturen Tübingens, 2007) leben ca. 13.100 Menschen. Der Stadtteil verzeichnete in den letzten 10 Jahren einen Bevölkerungszuwachs von 17%, der eng verbunden ist mit dem Wandel der ehemaligen Kasernenareale zu Wohngebieten. Mit der Einwohnerzahl von 74,51 Einwohner/innen pro Hektar ist die Südstadt der am dichtesten besiedelte und mit einem Durchschnittsalter von 36,42 Jahren zugleich der „jüngste“ Stadtteil Tübingens – 17,9% der Bevölkerung ist unter 18 Jahre alt. Besonders im Französischen Viertel leben viele Kinder und Jugendliche in einem eng bebauten Wohnumfeld, und ihre Zahl wird weiter steigen.

Der Tübinger Süden zeichnet sich durch eine heterogene Bevölkerungszusammensetzung mit einem relativ hohen Anteil an sozial schwach gestellten Haushalten aus. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung liegt bei 14%. Außerdem lebt hier eine große Anzahl von Familien aus der ehemaligen Sowjetunion, deren Kinder und Jugendliche durch das Migrationserlebnis stark geprägt sind. Damit ist die besondere Lebensrealität von Familien mit Migrationshintergrund überproportional vorhanden. Hervorzuheben ist schließlich der hohe Anteil von Kindern und Jugendlichen, die in einem Ein-Eltern-Haushalt leben.

Im beschriebenen Gebiet liegen zwei Einrichtungen der städtischen Offenen Jugendarbeit, die stadtteilorientiert arbeiten: Der Jugendraum „Mixed-up“ am Rande des Französischen Viertel und das zentral in der Südstadt liegende „Jugendhaus Pauline“.

1. Besucher und Besucherinnen

Das Jugendhaus Pauline ist offen für alle Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 27 Jahren. Auf die große Spanne reagieren wir mit altersspezifischen Angeboten. Klare Schwerpunkte gab es in den Altersgruppen der 10- bis 13-Jährigen und der 17- bis 20-Jährigen. An einem Öffnungstag mit „Offenem Betrieb“ kamen durchschnittlich ca. 45 Jugendliche. Sie gehören zu einem Stammpublikum von ca. 120 Jugendlichen, die das Jugendhaus bzw. die angegliederten Angeboten regelmäßig besuchen. Der Kreis der Jugendlichen, die nur sporadisch vorbeischauen, ist deutlich größer. Die Gruppenangebote wurden von weniger Jugendlichen besucht, was pädagogisch im Sinne gelingender Beziehungsarbeit gewollt ist.

Die männlichen Besucher dominierten den Offenen Betrieb, insgesamt lag der Mädchenanteil insbesondere durch den gut besuchten Mädchentag bei ca. 30%. Etwa 95% unserer Besucher und Besucherinnen kamen aus Familien mit Migrationshintergrund, mehr als die Hälfte besitzt jedoch die deutsche Staatsbürgerschaft. Keine der sehr unterschiedlichen ethnischen Gruppen dominierte den „Offenen Betrieb“, so dass die selbstverständliche Kommunikationsbasis im Haus die deutsche Sprache war.

Die meisten der unter 16-Jährigen gingen auf die Hauptschule, einige besuchten die Förderschule, einige die Realschule. Gymnasiasten/innen kamen kaum in den Offenen Betrieb, nahmen jedoch spezielle Angebote im Haus wahr, z.B. den „AK HipHop-interessierter Jugendlicher“, die monatlichen Treffen der Rollenspieler Troll e.V. oder Kurse des Sommerferienprogramms. Bei den über 16-Jährigen gab es im Gegensatz zu früheren Jahren viele Jugendliche, die in Ausbildung sind. Ein größerer Anteil von Jugendlichen dieser Altersgruppe konnte diesen Schritt in die Berufswelt (noch) nicht schaffen. Sie besuchten das BVJ bzw. andere berufsqualifizierende Maßnahmen, ihr Leben ist schon früh von Perspektiv- und Arbeitslosigkeit geprägt. Damit erfüllten wir unseren konzeptionellen Anspruch, vorwiegend Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien zu erreichen, weil diese in einem besonderen Maße auf die nichtkommerziellen Angebote der Offenen Jugendarbeit angewiesen sind.

Mit der stadtteilorientierten Ausrichtung des Hauses erreichten wir bei den Jüngeren fast ausschließlich Kinder aus dem Quartier. Auch bei den über 16-Jährigen kamen die Jugendlichen in der Mehrheit aus dem Stadtteil, aber verstärkt auch aus ganz Tübingen und dem näheren Umkreis.

4. Schwerpunkte

4.1. Offener Betrieb

Unter dem Sammelbegriff „Offener Betrieb“ verstehen wir die Öffnungszeiten, die allen Kindern und Jugendlichen offenstehen und keinen geschlechts- bzw. altersspezifischen Vorgaben unterliegen. Wir legen großen Wert auf verlässliche Öffnungszeiten, diese sehen wir als Hilfe für die Strukturierung eines oft ungeregelten und chaotischen Tagesablaufes unserer Besucher/innenschaft.

Dreh- und Angelpunkt des „Offenen Betriebs“ ist das ebenerdig liegende Jugendcafé: Es bietet Treffmöglichkeiten und Raum für aktive Freizeitgestaltung. Zugleich finden Jugendliche hier einen Ansprechpartner/eine Ansprechpartnerin aus dem Team. Neben dem betreuten Cafébetrieb können die Jugendlichen weitere Räume gegen Pfand in „Eigenregie“ nutzen: In der Disco Musik auflegen und tanzen, in der Küche kochen, im Tischtennisraum Mäxle oder im Fernsehzimmer Playstation spielen etc.

In den „Offenen Betrieb“ waren oft spontane Turniere sowie im Vorfeld angekündigte „hausinterne Weltmeisterschaften“ in Spielen wie Tischtennis, Schwimmen oder Billard integriert.

4.2. Mädchenspezifische Angebote

Mädchenspezifische Angebote waren die Mädchenwerkstatt und der Mädchentag. Die Mädchenwerkstatt fand in Kooperation mit der Grundschule Hügelschule statt. Sie bestand aus einer festen Gruppe von 6-8 Mädchen, hier gab es insbesondere Angebote aus dem Kreativbereich. Der Mädchentag am Mittwoch ist bei den Mädchen aus dem Viertel sehr beliebt und wurde regelmäßig von ca. 20 Mädchen und jungen Frauen zwischen 7 und 21 (schwerpunktmäßig 9-13) Jahren besucht. Am Mädchentag gibt es für die Mädchen einen offenen Bereich, wo sie das Haus nach ihren Bedürfnissen nutzen können. Zentral und den Mädchen sehr wichtig war stets das gemeinsame, selbstgekochte Essen. Meistens gab es ein weiteres Angebot (Basteln, Filme schauen, Kegeln, Schwimmen, Klettern…), und die Mädchen konnten ihren Erfahrungsraum erweitern.

Neue Besucherinnen fanden den Zugang zum Mädchentag durch die Mädchenwerkstatt und durch „aufsuchende“ Aktionen in den umliegenden Wohnquartieren, insbesondere der Stuttgarter Straße.

Ausgehend vom Mädchentag fanden einige Mädchen den Zugang zu anderen Öffnungstagen und konnten so auch die männlichen Kollegen als Bezugspersonen für sich gewinnen. Als Rückzugsraum im Haus steht ihnen im „Offenen Betrieb“ das von einer Mädchengruppe selbstgestaltete Mädchenzimmer zur Verfügung.

4.3. Jungentag

Der Jungentag am Freitag richtet sich an Jungs zwischen 8 und 14 Jahren. Er bildet die geschlechterdifferenzierende Ergänzung zum Mädchentag und erleichtert durch seinen geschützten Rahmen unseren jüngsten Besuchern den Zugang zum Jugendhaus.

Der Jungentag wurde im Schnitt von 10 Jungs besucht und bot neben Tagen ohne spezielles Programm auch Angebote wie Bogenschießen, Geruchsparcour, Besuch im Daimler-Museum oder Waffeln backen. Der Jungentag erwies sich mit seiner Ausgestaltung als eines der Angebote, in dem das Miteinander von Mittelschichtsjugendlichen und sozial benachteiligten Jugendlichen sowie von deutschen Jugendlichen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund tatsächlich gelang (s. 5.3. Integration).

4.4. Jugendkulturarbeit

Die Jugendkulturarbeit schöpft zu einem großen Teil aus dem Stundenbudget des Arbeitskreises Jugendkultur, beeinflusst aber dennoch stark den Alltag und die Besucher/innenschaft des Jugendhauses Pauline. So fanden z.B. folgende Veranstaltungen des Arbeitskreises Jugendkultur regelmäßig im Jugendhaus Pauline statt:

Unterstützung und Einbindung des „AK HipHop-interessierter Jugendlicher“ ins Jugendhaus
Durchführung von Breakdance-, DJ- und Graffiti-Kursen
Integration der Capoeira-Gruppe im Wochenplan

Weitere Schwerpunkte der Jugendkulturarbeit waren die Mitorganisation und Teilnahme an der einrichtungsübergreifenden monatlichen Jugenddisco, die Vorbereitung und Durchführung des abteilungsweiten Angebotes beim Stadtfest am 13. und 14.07.2007 sowie Kurse im Rahmen des Sommerferienprogrammes.

4.5. Sportangebote

Die wöchentlichen Sporttreffs wurden gut besucht – auch von Jugendlichen, die unsere sonstigen Angebote nicht wahrnahmen: Der Sporttreff in der Hügelschule für Kinder bis 12 Jahre wurde im Schnitt von ca. 12 Jungs besucht, der Fußballtreff in der Panzerhalle für jüngere Jugendliche zwischen 11-16 Jahren von ca. 12 Teilnehmern und der Fußballtreff für ältere Jugendliche ab 16 Jahren von bis zu 45 Teilnehmern. Zusätzlich fanden in unregelmäßigen Abständen Sport-Turniere in Kooperation mit der Gesamtabteilung statt. Das in Zusammenhang mit mehreren Kooperationspartnern ins Leben gerufene SpaS (Sport am Samstag) für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre hat sich seit März 2007 etabliert und findet regelmäßig am ersten Samstag im Monat in der Sporthalle am Feuerhägle statt. Auch bei weiteren Aktionen, die z.B. am Mädchen- und am Jungentag durchgeführt wurden, legten wir Wert darauf, den Kindern und Jugendlichen Bewegungsmöglichkeiten anzubieten, die viele über ihr Elternhaus nicht kennenlernen.

Die Sportangebote besitzen ein hohes integratives Potential, sie wurden von vielen Jugendlichen genutzt, die mit der verbindlicheren Struktur von Vereinsangeboten große Schwierigkeiten haben.

4.6. Beratung

Im Jugendhausalltag ergibt sich geradezu täglich die Notwendigkeit für eine Beratung „zwischen Tür und Angel“. Deshalb sind wir an zwei Öffnungstagen der Woche für mindestens zwei Stunden so gut besetzt, dass sich eine pädagogische Fachkraft für eine „Einzelberatung“ Zeit nehmen kann. Die Themen sind vielfältig und reichen von Problemen mit der Schule, der Justiz, den Eltern oder der Freundin/dem Freund bis hin zu Suchtproblematiken. Das Angebot ist niederschwellig ausgerichtet, wir vermitteln im Bedarfsfall an Fachberatungsstellen weiter.

Der Beratungsschwerpunkt lag im vergangenen Jahr eindeutig im Bereich der Hilfestellung bei dem gerade für unser Klientel schwierigem Einstieg in die Berufswelt. Das Beratungsangebot wurde sehr gut angenommen, die Altersspanne war hoch: Durch die gute Kooperation mit der Schulsozialarbeit in der Mörikeschule entstanden einerseits oft Erstkontakte, andererseits hielten wir mit dem Angebot auch den Kontakt zu älteren Jugendlichen, die den Jugendhausalltag schon länger hinter sich gelassen hatten. Im Schnitt erarbeiteten sich die Jugendlichen vier bis sechs Bewerbungen pro Woche – mit starken saisonalen Schwankungen. Eine Auswirkung dieser Arbeit war sicherlich der recht hohe Anteil von Jugendlichen in Ausbildung unter unseren Besuchern und Besucherinnen.

4.7. Projekte

Unsere Arbeit ist eng vernetzt mit der Arbeit anderer (sozialer) Einrichtungen. Beispiele hierfür sind:

Projekt „Bolzplatz Tilsiter Weg“: In Kooperation mit dem Stadtsanierungsamt und dem Hochbauamt wurde nach Alternativen für den Bolzplatz in der Stuttgarter Straße gesucht, der der dortigen Nachverdichtung weichen musste. Die Wahl fiel auf die Renovierung des nur wenige Gehminuten entfernten, brach liegenden Spielplatz „Tilsiter Weg“. Am 6.10.2006 konnten wir das Beteiligungsprojekt mit einem gut besuchten und bunten Einweihungsturnier abschließen.

Projekt „Meckermobil“: In Zusammenarbeit mit Jugendlichen vom Jugendgemeinderat und Jugendmediencafé und unseren dortigen Kollegen haben wir von April bis Juni 2007 dieses zeitintensive Projekt durchgeführt: Ausgestattet mit Videotechnik haben wir Kinder und Jugendliche in der Südstadt befragt, was ihnen an ihrem Stadtteil gefällt, aber auch, was sie hier verändern würden. Aus fünf Stunden Rohmaterial ist ein ca. 20minütiger Film entstanden, der im Jugendhaus am 26.06.2006 seine Premiere feierte. Die im Film geäußerten Statements fließen in die Projektgruppe „Bürger- und Jugendräume in der Südstadt“ ein. Der Film ist über www.jmc-tuebingen.de abrufbar und weiterhin zu kommentieren.

5. Umsetzung der Querschnittsthemen

Die Querschnittsthemen sind ständiger Bestandteil der pädagogischen Praxis und damit Teil unserer konzeptionellen Grundsätze. Dabei verfolgen wir eine „Politik der kleinen Schritte“. Daher stellen wir hier die konzeptionellen Voraussetzungen kurz vor, die daraus resultierenden Prozesse sind diffizil, betreffen kleine Veränderungen in unserem pädagogischen Alltag und lassen sich in diesem Rahmen oft nur skizzieren.

5.1. Geschlechterdifferenzierung

Mit dem Mädchen-bzw. Jungentag arbeiten wir gezielt geschlechterdifferenzierend und gehen dabei auf die speziellen Lebenslagen von Mädchen und Jungen ein. An dieser konzeptionellen Entscheidung halten wir weiterhin fest. Der Mädchentag ermöglichte beispielsweise im vergangenen Zeitraum vielen Mädchen den Besuch des Jugendhauses, die aus religiösen Gründen niemals an gemischtgeschlechtlichen Angeboten hätten teilnehmen dürfen.

Wir achten auf eine geschlechtsparitätische Besetzung des Teams auch im „Offenen Betrieb“, um Mädchen und Jungs als „adäquate“ Vertrauenspersonen zu Verfügung zu stehen. Unserer Meinung nach spielt dieser Punkt eine bedeutende Rolle dabei, dass Jugendliche spontan auch mit intimsten Problemen Rat bei uns gesucht haben.

Ferner ist es in unseren Augen wichtig, gängige Rollenbilder kritisch zu hinterfragen. Gerade bei Bewerbungen zeigte sich oft das Festhalten an starren Rollenvorstellungen. Hier sind wir immer wieder gefragt, Alternativen aufzuzeigen und damit die Chancen der Jugendlichen auf dem Ausbildungsmarkt zu erhöhen.

5.2. Partizipation

Die Kinder und Jugendlichen beteiligen sich aktiv an der Programmgestaltung (z.B. von Jungennachmittag und Mädchentag), der Durchführung diverser Angebote (z.B. von internen Turnieren) und im Bereich der Anschaffungen (z.B. von neuen Spielen). Ihre Vorschläge werden bei der Ausgestaltung der Hausordnung berücksichtigt. Dem partizipatorischen Gedanken von Mitbestimmung werden durch die weit verbreitete Erwartungshaltung und das Konsumverhalten der Jugendlichen oftmals Grenzen gesetzt. Die Möglichkeiten zur Partizipation sind bewusst niederschwellig angesetzt, um einer Überforderung vorzubeugen.

Mit der aufsuchenden Durchführung des Projekts „Meckermobil“ haben wir ebenfalls darauf geachtet, dass Kinder und Jugendliche aus der gesamten Südstadt ihre Meinung ohne allzu große Hürden formulieren konnten. Hier wurde insbesondere der Wunsch nach mehr Frei- bzw. Spielflächen geäußert, die sich als Treffpunkte für Jugendliche eignen, ohne dass Konflikte mit der Erwachsenenwelt vorprogrammiert sind. Durch die aktive Mitarbeit der Jugendlichen konnten diese Forderungen in den politischen Prozess der Südstadtentwicklung eingebracht werden.

5.3. Integration

Das Jugendhaus Pauline ist ein Treffpunkt für Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Kulturen. Die differierenden Norm- und Wertvorstellungen sind häufig Thema im Alltag des Jugendhauses, was stets ein Ansatzpunkt für Diskussionen ist. Die pädagogischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind hier Repräsentant/innen der deutschen Gesellschaft und deren Wertevorstellungen. Ihre Aufgabe ist es, Werte wie Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern aktiv vorzuleben.

Mit zielgruppenspezifischen Angeboten wie dem Jungennachmittag und dem „AK HipHop-interessierter Jugendlicher“ gelingen integrative Prozesse: Hier treffen unterschiedlichste Gruppierungen aufeinander, die in ihren sonstigen Lebenswelten kaum Berührungspunkte haben (wollen). Dieses Aufeinandertreffen ist nur dann positiv, wenn es zu keiner Konfrontation führt, sondern zu einem respektvollen Miteinander. Daher war für diesen Prozess ist stets pädagogisches Fingerspitzengefühl gefragt.

5.4. Bildung und Kooperation mit Schulen

Wir bieten den Jugendlichen im Rahmen des laufenden Betriebs Unterstützung bei schulischen Aufgaben, beispielsweise bei der Erledigung von Hausaufgaben und der Ausarbeitung von Referaten. Im Bereich der Hausaufgabenbetreuung wurde dieses Jahr von der Anerkennungspraktikantin ein wöchentliches Angebot durchgeführt, da sich ein verstärkter Bedarf für einige jüngere Mädchen abgezeichnet hatte.

Weiterhin kooperieren wir mit unterschiedlichen Schulen im Gebiet der Südstadt. So kamen die Teilnehmerinnen der Mädchenwerkstatt aus der Hügelschule. Mit der dortigen Schulsozialarbeiterin besteht ein enger Austausch. Außerdem kamen auch im vergangenen Jahr immer wieder Schulklassen oder Schüler/innengruppen (z.B. aus der Mörikeschule und der Pestalozzischule) gemeinsam mit Lehrer/innen und/oder Schulsozialarbeiter/innen in die Räume des Jugendhauses, beispielsweise für ein Weihnachtsfrühstück oder für eine schulinterne Streitschlichterausbildung.

5.5. Gesundheitsförderung

Zum Schutz der jüngeren Besucher und Besucherinnen gab es bis in den frühen Abend ein Rauchverbot. Regelverstöße – aber nicht nur diese – boten immer wieder Anlass zu Diskussionen über die mit Rauchen einhergehenden Gesundheitsrisiken. Seit dem 01.08.07 gilt das Nichtraucherschutzgesetz. Alkohol wird in unserem Haus nicht geduldet. Da wir mit den meisten unserer regelmäßigen Besucher/innen eine gute Kommunikationsbasis aufbauen konnten, kommen wir aber über problematisches Trinkverhalten (z.B. Saufgelage am Wochenende verbunden mit Schlägereien) ins Gespräch. Der akzeptierende Ansatz unserer pädagogischen Arbeit erleichtert auch den Zugang zu Jugendlichen, die illegale Rauschmittel konsumieren. Harte Drogen spielen kaum eine Rolle, aber einige unserer Besucher konsumieren in ihrem Alltag regelmäßig Cannabisprodukte. Das Wissen darum bietet uns die Möglichkeit, problematisches Suchtverhalten anzusprechen. Diese „Thematisierung“ war im Berichtszeitraum nicht gebunden an spezielle Drogenpräventionstage, sondern floss beispielsweise in eine anstehende Beratung zur Berufswahl ein.

Die Ernährung unserer Besucher/innen ist zum Teil sehr unregelmäßig und oft auch ungesund. Wir versuchen Alternativen aufzuzeigen, so achten wir z.B. bei den sehr regelmäßig stattfindenden Kochaktionen darauf, frisches Gemüse statt Fertigprodukte zu verwenden.

Mit den Angeboten im Bereich von Sport und Bewegung fördern wir neben der sozialen Kompetenz und dem Gemeinschaftsgefühl auch die psychomotorische Entwicklung. Kinder und Jugendliche sollen die Freude an Bewegung (wieder-)entdecken, Aggressionen abbauen und damit ein positives Ich-Erlebnis erfahren können. Auch diesmal gelang es uns, Kinder und Jugendliche in diese Angebote einzubinden, die auf Grund ihrer persönlichen Lebensumstände keinen Zugang zu Vereinsangeboten erlangen konnten.

Seit einer Reihe schwerer Verkehrsunfälle in den vergangenen Jahren, an denen Besucher unseres Hauses (als Opfer oder Verursacher) beteiligt waren, versuchen wir den Komplex „Risikoverhalten im Verkehr“ immer wieder aufs Neue aufzugreifen– etwa durch Diskussionen anhand aktueller Zeitungsberichte oder den „Gedenktag“ am 22.12.2006 für einen im Jahr zuvor tödlich verunglückten Besucher.

5.6. Vernetzung/Kooperation im Gemeinwesen

Das Team Süd beteiligte sich an den stadtteilbezogenen Arbeitskreisen „Südstadt AK Soziales“ und dem „Begleitkreis Stuttgarter Straße“. Hervorzuheben ist zudem der „AK Südstadtjugendliche“ mit der Zielsetzung, sich trägerübergreifend kontinuierlich darüber abzustimmen, welche Jugendlichen von den beteiligten Institutionen erreicht werden und ob sich darüber hinaus ein weiterer Bedarf abzeichnet. Wichtig war auch die Teilnahme an der „Projektgruppe Bürger- und Jugendräume in der Südstadt“.

In folgenden thematisch ausgerichteten Arbeitskreisen suchten wir den fachlichen Austausch: In Bezug auf die bei uns gut verankerte Mädchenarbeit die „Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik“, den „Facharbeitskreis Mädchenarbeit“ und den „AK Junge Migrantinnen“, in Hinblick auf die berufliche Integration unserer Besucher und Besucherinnen den „AK Fachgespräch zu Jugendlichen mit Schwierigkeiten im Übergang Schule-Beruf“, und zwecks der eigenen fachlichen Verortung den „Facharbeitskreis Jugendarbeit“.

Und schließlich beteiligten wir uns aktiv an allen abteilungsinternen Arbeits- und Projektgruppen.

6. Herausforderungen und Perspektiven

Im Sommer 2007 wird ein kompletter Personalwechsel bei den Kolleginnen stattfinden. Sicherlich wird es eine Hauptaufgabe des Teams sein, diesen Übergang so zu gestalten, dass die Mädchenarbeit ohne allzu große Einschnitte fortgeführt werden kann. Außerdem steht im Frühjahr 2008 die Elternzeit eines Mitarbeiters an. Auch diese Zeit muss so überbrückt werden, dass der Jugendhausalltag nicht darunter leiden wird.

Im Januar 2008 werden wir uns Zeit nehmen für Klausurtage, um unsere Konzeption zu überprüfen, die räumlichen Rahmenbedingungen zu überdenken und Zukunftsvisionen für die allmählich alternde „Pauline“ zu entwickeln.

Auch für den kommenden Berichtszeitraum sind mehrere Projekte schon konzeptionell vorbereitet: In den Herbstferien die HipHop-Tage und Anfang Dezember ein Verkehrssicherheitstraining. Im Jahr 2008 wollen wir in Kooperation mit der Schulsozialarbeit das Projekt „Berufswegeplanung“ mit der 8. Klasse durchführen und sicherlich werden wir die anstehende Fußball-EM in unser Jugendhaus-Programm einbeziehen.

Das Jugendhaus Pauline – kurz „Paula“ genannt – ist eine Einrichtung für offene Jugendarbeit der Universitätsstadt Tübingen.